Dierk Knechtel   Schrift. Skulptur.
 

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Link zum Artikel in der Badischen Zeitung über das Festival "Jazz Nights"

Von links: Jacob Karlzon, Claudio Labianca, Christoph Spendel, Jessica Gall, Dominic Müller, Maik Förster, Robert Matt

Link zum Artikel in der Badischen Zeitung über die Ausstellung "un-mensch-antastbar"

"The Five Wives of Lajos Biro". Wandteppich (Tapisserie) von Shannon Bool

18. Juni 2018, 10:29

So kann's gelingen: Das Festival "Jazz Nights" wurde auf Schloss Staufenberg angetestet

https://www.badische-zeitung.de/offenburg/nach-probelauf-sind-die-erwartungen-hoch--153664717.html

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Test ist: Das Publikum wäre vorhanden. Ohne öffentlichen Vorlauf, quasi aus dem Stand war die obere Schankstube zu bestimmt zwei Dritteln gefüllt. Wer in unserer Region Jazz-Interpreten von internationalem Rang sehen will, muss sich derzeit nach Straßburg oder Freiburg bequemen. Ein Festival dieser Güteklasse wäre ein großer Gewinn für die Ortenau. Besonders, wenn man, wie im Testlauf geschehen, zeigt, was Jazz alles sein kann. Jazz war nie konform, hatte immer den Nimbus des Speziellen für Intellektuelle, Liebhaber, Randständige. Was nicht zu bedauern ist.

Redakteur




15. Juni 2018, 08:23

Wie der Mensch das eigene Verschwinden betreibt

https://www.badische-zeitung.de/gengenbach/vom-schmerz-ueber-die-selbstloeschung--153579919.html

Die Ausstellung ist eine gelungene Verbindung von Thematik, Lokalität und Kuratorium. Die Ersetzung von Menschen durch IT ist das vielleicht bedeutendste Paradigma unserer Zeit. Das Hukla-Gebäude ist, gemessen an Fläche, Wandhöhe und Licht, einzigartig im Ortenaukreis. Selbst in Metropolen sind solche Dimensionen selten. Die Auswahl der Werke ist vielschichtig, durchweg am Thema ausgerichtet und berücksichtig mehrere Kunstgattungen.

Redakteur




12. Juni 2018, 09:12

Aufschlussreich für deutsche Schulabgänger: die Ausbildung des Elsässers Magnier

https://www.badische-zeitung.de/offenburg/in-baden-arbeiten-im-elsass-leben--153469235.html

Über 25 % der Jugendlichen in Frankreich sind arbeitslos, gleichzeitig genießt eine Berufsausbildung nur wenig Ansehen - wie passt das zusammen? Am Einzelfall des 18jährigen Amane Magnier wird zumindest eines deutlich: Im Elsass dauert die Ausbildung eines Klärwerkers zwei Jahre, in Deutschland drei. Wenn die Anforderungen an den Beruf derart unterschiedlich sind, dann ist die so wünschenswerte Harmonisierung der Ausbildungsgänge in der Tat "ein großes Rad", wie Bärbel Schäfer zu bedenken gab. Einstweilen kann man immerhin auf aktuell 347 Ausbildungsverhältnisse verweisen, die im Rahmen der INTERREG-Förderung am Oberrhein entstanden sind.

www.erfolgohnegrenzen.eu

Redakteur




11. Juni 2018, 10:00

Industriespionage in der Renaissance

http://www.badische-zeitung.de/industriespionage-in-venedig

Dorweiler brauchte für ein kleines Quiz zwei Freiwillige, Männlein, Weiblein. Es meldete sich aber niemand. Das gleiche Dilemma widerfuhr ihm auf einer Lesung in Tegernau. Der des Alemannischen Unkundige hatte sich überlegt, alemannische Passagen aus dem Lesetext von einem Einheimischen lesen zu lassen. Er pickte sich einen Besucher heraus, der zwar widerwillig aufstand, sich aber, ganz betrübt, nicht vom Fleck bewegte. Da rief jemand aus dem Publikum: "Herr Dorweiler, der Mann kann doch nicht lesen!"
"Deshalb bin ich ja gekommen," bestätigte der Betroffene, "um mir was vorlesen zu lassen!" Dorweiler wollte im Boden versinken. Er hatte, so kam es ihm vor, den einzigen Analphabeten Tegernaus bloßgestellt.
Mit Hilfe der Anekdote gelang es ihm doch noch, zwei Leute nach vorne zu bringen. Durch das Quiz erfuhren wir nicht nur die im Artikel erwähnte venezianische Nuttenquote, sondern auch logistische Quantitäten, den Gotthard betreffend. Damals überquerten pro Jahr etwa 10.000 Personen mit 9.000 Säumtieren den Pass. Dabei wurden Waren in einer Größenordnung von 170 Tonnen transportiert, wie aus dem Jahr 1500 belegt ist.

Redakteur




09. Mai 2018, 18:51

Indolenz und Unschärfe einer vagen Existenz

https://www.badische-zeitung.de/offenburg/zeitebenen-wie-packeis--152363202.html

"An jeder Ecke ist eine Geschichte," sagte Peter Stamm. "Nicht die sollte man schreiben, von denen andere sagen, dass man sie schreiben sollte. Sondern die, die etwas in einem auslösen." Die erste Notiz zu "Gleichgültigkeit" habe er geschrieben, so Stamm, als er die Darstellerin der Agnes (Odine Johne, der Name fiel ihm nicht ein) bei den Dreharbeiten zum Agnes-Film in Stockholm getroffen habe. Merkwürdig, denn der Film wurde in Düsseldorf gedreht. Am Film habe er nicht mitarbeiten wollen. Die Agnes-Geschichte ist der Lena-Geschichte nicht unähnlich. Älterer Mann trifft jüngere Frau, sie beginnen eine Beziehung, der es nicht genügen darf, Realität zu sein, sie muss zugleich Fiktion werden. Geschehen und erdachtes Geschehen vermischen sich.

Redakteur




06. Mai 2018, 17:14

Jane Austen - "Zeitgenossin von niemandem"

https://www.badische-zeitung.de/sie-schrieb-sehr-gern-ueber-geld

Jane Austen treibe ihn zur Weißglut, schreibt Denis Scheck im Nachwort zu "Vernunft und Gefühl". Er weiß sich in prominenter Gesellschaft. Der bärbeißige Mark Twain hielt nicht an sich, wenn es darum ging, sie in die Pfanne zu hauen. Er möchte sie ausbuddeln, um "ihr mit ihrem eigenen Schienbein eins über den Schädel zu hauen." Warum sind die Herren so ungehalten? Weil Austens Romane auf die gehobene ländliche Gesellschaft fixiert und vollkommen unpolitisch waren. Die zu ihren Lebzeiten äußerst turbulente Weltgeschichte, in die auch das Empire empfindlichst involviert war (1805 Trafalgar), blieb in ihren Romanen außen vor. Auch John Updike stieß das auf: "Für Jane Austen war Napoleon die Ursache, dass es auf dem englischen Land so wenige Heiratskandidaten gab."

Redakteur




01. Mai 2018, 13:05

Schorlaus Alter Ego Dengler enttarnt die Strippenzieher

http://www.badische-zeitung.de/offenburg/schorlau-holt-dengler-aus-dem-buch-in-die-realitaet--152083681.html

Ein Buch über das deutsch-griechische Verhältnis, in das ja die sogenannte Griechenland-Rettung hineinspielt, könne nicht geschrieben werden, ohne die deutsche Besatzung 41 - 44 zu behandeln, sagte Schorlau. Das sei im ersten Entwurf nur ungenügend geschehen, weswegen der Erscheinungstermin verschoben werden musste. Terror und Plünderung des Landes sei ein Zehntel der griechischen Bevölkerung zum Opfer gefallen. Allein im Großraum Athen seien während der Hungersnot 41/42 rund 40.000 Menschen gestorben. In der deutschen Öffentlichkeit sei das Thema tot. In Griechenland sei es überall präsent.

Redakteur




26. April 2018, 09:46

Von der Brennnessel zur Rose

http://www.badische-zeitung.de/offenburg/nur-wer-sich-selbst-erkennt-wird-weise-lieben--151956292.html

Nach dem Erfolg des ersten Bandes seiner Ars Amatoria, der sich an die Männer richtete, schob Ovid einen zweiten nach, der den Frauen gewidmet war. Dort finden sich Ratschläge wie:
"Mäßig nur öffne der Mund sich, halb sei der Zahn von der Lippe bedeckt."
"Ist sie klein, so empfange sie ihn sitzend, auf dass sie nicht schon stehend wirke, als säße sie."
"Es ist gut, wenn die Männer vieles nicht wissen. Verletzend dürfte das meiste sein, würden wir es im Innern nicht verschließen."

Redakteur




23. April 2018, 11:31

Fliehende Grenzen zwischen Gedicht und Prosa

http://www.badische-zeitung.de/offenburg/kapitaene-in-der-witwenbucht--151811338.html

Das Gedicht ist für Jan Wagner die höchste Entwicklungsstufe der Literatur, aber darüber kann man streiten. Thomas Mann, der alle Befähigung dazu besessen hätte, hielt sich nicht mit Gedichten auf, weil nur Prosa die ungeheure Ausdehnung seiner Gedanken abbilden konnte. Wagners Prosa steht seiner Lyrik nicht nach. Aus seinem Briefwechsel mit dem mazedonischen Dichter Nikola Madzirov gab er eine Passage zum besten, in der er eine Art Ballett mit Edelkäsen choreographiert. Im Begriff, Frankreich mit dem Flugzeug zu verlassen, muss er an der Sicherheitskontrolle seinen Koffer öffnen. Dem entsteigen die Düfte von vier formidablen Käsereierzeugnissen, die er kurz zuvor erworben hat. In höchster Verzückung hält der Zollbeamte eines wie das andere unter die bebenden Nasenflügel. Herbeigelockte Kollegen entwinden ihm die betörenden Preziosen, schnuppern daran, heben sie lobpreisend ins Licht. Die Stücke wechseln zwischen Händen und Nasen kreiselnder, sich umschweifender Bacchanten wie in einer getanzten Jonglage, an deren Ende ein mühsam an sich haltender Zöllner den Satz spricht: "Monsieur, Sie fliegen."

Redakteur




20. April 2018, 09:23

Die lähmende Macht unwahrer Gefühle

http://www.badische-zeitung.de/offenburg/der-wahre-kaefig-sind-die-eigenen-gedanken-und-gefuehle--151719235.html

Als sie erfährt, dass Dix die Tochter malen will, fürchtet die Mutter: "Ob dich nach dem Bild noch einer nimmt?"

Sie setzt Tamara mit Kleidern in Szene, damit eines Tages einer wie er (der Steinbruchbesitzer) käme. Und doch ist ihr das Kleid, das sie für das Porträt schneidert, von allen das beste. Nie wieder habe sie ein so schönes Kleid gemacht, sagt die Mutter. Viele Jahre später, im Seniorenheim, näht sie es ein zweites Mal. Die Tochter tanzt im Duplikat des Kleides vor dem Duplikat des Bildes zu den Klängen einer Schallplatte, und der Zuschauerraum ist leer.

Sie war 21, als sie den Antrag des Mannes annahm. Sie konnte damals nicht wissen, was sie heute weiß, mit Ende 70. Die Motive der jungen Frau, die sie damals war, kann sie allenfalls auf einer abstrakten Ebene aufrufen, wirklich in sie hineinversetzen kann sie sich nicht. Könnte sie es, so bestünde die Chance, sich mit sich auszusöhnen und abzuschließen. Sie hätte dann aus den reichhaltigen Möglichkeiten, die ihr die Ehe bot, alles machen können. Eine Tanzakademie auf dem Lande - warum nicht?

So aber fühlt Tamara nichts als ihre heutigen Gefühle, und man darf annehmen, dass das schon all die Jahre zuvor so ging. Wie sagte Mark Twain? Das Leben besteht nicht aus Tatsachen, sondern zu drei Vierteln aus Gedanken und Gefühlen.

Redakteur



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