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Beispiele für Eh da - Flächen

2020-05-24

König Knöterich

Teil 3: Flussbaubetrieb setzt auf Maschinen statt Schafe

Hirths Beweidungsvertrag mit dem Flussbaubetriebshof Wagshurst wurde zum Jahresende 2019 gekündigt. Ein Grund sei gewesen, dass die Schafe die für den Hochwasserschutz so wichtige Grasnarbe schädigen würden. Hirth kann das nicht verstehen. Er zeigt auf den Damm hüben wie drüben: „Wo ist da der Boden erodiert?“ In der Tat ist die Decke intakt, wenn auch stellenweise bräunlich. Wegen ihres „goldenen Hufes“ werden Schafe weltweit als Deichtiere eingesetzt. Mit ihren kleinen Hufen festigen sie den Untergrund, ohne ihn zu verdichten wie schwere Maschinen.

Thomas Lenhard vom Flussbaubetrieb Offenburg ist mit der Situation an der Rench vertraut. Der Gartenbautechniker gilt bei den Gewässer-Kollegen als Knöterich-Experte. Ich treffe Lenhard an der Kinzig bei Ortenberg. Der sogenannte Mähtrak vertilgt gerade im Vorland hüfthohen Knöterich und hinterlässt feines Gehäcksel. Er hat im Vorland der Rench die Schafe abgelöst. „Die Beweidung an der Rench hat den Knöterich reguliert und kam in der Bevölkerung gut an,“ stellt Lenhard klar. Doch habe es immer weniger geeignete Pferchflächen gegeben, weil diese häufiger umgenutzt würden. Die Strecken zwischen den Flächen seien zu lang geworden, die Herde sei zu oft über dieselben Stellen gelaufen. Die ohnehin durch die Trockenheit der letzten Sommer geschwächte Grasnarbe habe sich mancherorts nicht erholen können.

„Unser Mähkonzept sieht vor, dass die Grasnarbe so wenig wie möglich berührt wird.“ Eine Raupe mit Ausleger soll den Knöterich am Ufersaum bis zu sechs Mal im Jahr mulchen. „In zwei Jahren werden wir neu entscheiden. Eine Beweidung wäre wieder wünschenswert.“

Fast geräuschlos zieht der Mähtrak seine Bahnen. Er soll die Stängel soweit zerkleinern, dass sie nicht wieder austreiben können. „Eine Garantie ist das nicht,“ schränkt Lenhard ein. Aber auch die Schafe würden mit den Blättern gelegentlich junge Triebe abreißen, die liegen bleiben würden und verdriftet werden könnten. An der Kinzig werden keine Schafe eingesetzt, weil sie am schrägen Uferrand, wo der Knöterich steht, abrutschen. Außerdem ist das im Vergleich zur Rench wesentlich breitere Vorland an Landwirte verpachtet.

Der Blick auf Rench und Kinzig zeigt, dass bereits unterschiedliche Bedingungen vor Ort einer einheitlichen Vorgehensweise im Wege stehen. Noch schwerer wiegt, dass es keine übergeordnete Koordinationsstelle gibt. Schon eine Kartierung der Knöterichvorkommen, vor Jahren vom Landschaftserhaltungsverband Ortenaukreis e.V. (LEV) angestoßen, scheiterte daran, dass es nicht genug ehrenamtliche Helfer gab. Der Japanknöterich steht nicht auf der EU-Liste der invasiven gebietsfremden Pflanzenarten wie etwa das – weit weniger problematische - Drüsige Springkraut. Wäre das der Fall, müssten Umweltbehörden aktiv werden.

Herbizide helfen wenig gegen den Knöterich

Bernhard Walser ist seit 30 Jahren Flussbaumeister. Der Leiter des Flussbaubetriebes Riegel ist zuständig für das Elz-Dreisam-Gebiet. Walser teilt sein umfangreiches Wissen über den Knöterich in Vorträgen landauf, landab mit anderen Stellen und leistet damit nebenberuflich, was Aufgabe der Landesanstalt für Umwelt in Karlsruhe wäre. Der Knöterich sei, glaubt Walser, aus der EU-Liste rausgeflogen, weil es zu kompliziert und teuer sei, ihn zu beseitigen. Forschungsvorhaben zur biologischen oder chemischen Bekämpfung seien ihm nicht bekannt. „Es wird halt nicht finanziert.“ Gegen Herbizide ist Walser ohnehin. Glyphosat, Garlon oder Simplex werden in Einzelfällen eingesetzt, was jeweils einer aufwändigen Genehmigung bedarf. „Glyphosat wirkt nur bis 60 cm Stängeltiefe. Der Knöterich kann aber bis zu 5 m Überdeckung durchdringen.“

Derweil rückt der invasive Neophyt, wie die Amtsbotanik den Japanknöterich einordnet, weiter in die Landschaft vor. Oft ziehen sich geschlossene Bestände hin, soweit das Auge reicht. Wo ihm das Feld komplett überlassen wird, bildet er ein vier Meter hohes Dickicht, in dem kein Lichtstrahl mehr den Boden berührt. Dort wächst nichts anderes.

Admin - 11:00:38 @ Ortenau | Kommentar hinzufügen