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Beispiele für Eh da - Flächen

2020-05-27

Was der Blutspritzer über die Tatwaffe verrät

Teil 2: Das Labor der Kripo Offenburg bereitet die Spuren für das LKA vor

Eine Mitarbeiterin im Labor demonstriert, wie Fingerabdrücke („Daktys“) aufbereitet werden. Zum heutigen Pensum gehören eine Paketdienst-Vollmacht im Zusammenhang mit Warenkreditbetrug und eine Bierflasche von einem Einbruch. Saugende Materialien wie Papier werden in einer chemischen Lösung gebadet. Nach wenigen Minuten zeigen sich die Abdrücke pink unter UV-Licht. Nicht saugende Materialien wie Glas werden mit einer Chemikalie bedampft. Der Dampf bildet auf den Abdrücken einen weißen Niederschlag.

Die sichtbar gemachten Spuren werden fotografiert und in schwarz-weiß gespeichert. Nur brauchbare Daktys werden abgelichtet. Wenn sie sich überlagern, sind sie meistens unbrauchbar – bislang. Derzeit wird ein Verfahren erprobt, das Papillarleistenverläufe vorausberechnen und so die einzelnen Abdrücke voneinander isolieren soll. Papillarleisten heißen die feinen Linien, die das Abdruckmuster bilden.

Die Fotos werden an das LKA geschickt. Dort werden sie in AFIS importiert, eine Datenbank, die Daktys aus ganz Deutschland speichert. AFIS führt drei verschiedene Recherchen durch. Die Spur-Person-Recherche soll herausfinden, wer eine bestimmte Spur verursacht hat. Die Spur-Spur-Recherche untersucht, ob es eine Verbindung zwischen verschiedenen Tatorten gibt. Sie wird regelmäßig angestoßen, Treffer werden an die zuständigen Beamten übermittelt. Die Person-Person-Recherche sucht nach der Identität eines Menschen, von dem Fingerabdrücke existieren, dessen Personalien aber zweifelhaft oder unbekannt sind.

Weist die eingereichte Dakty-Spur Ähnlichkeit mit bereits gespeicherten Abdrücken auf, so prüft ein Sachverständiger, welcher Treffer mit der Spur identisch ist. Beim vorliegenden Warenkreditbetrug gibt es eine Tatverdächtige. Ist sie in AFIS gespeichert? Wenn unter denselben Personalien, wie angegeben, dann wären diese korrekt. Wenn unter anderem Namen, dann wären sie falsch. In beiden Fällen würde sich der Verdacht gegen sie erhärten.

Spur-Spur-Treffer erhalten Ermittler auch von der DNA-Analyse-Datenbank (DAD) ohne eigenes Zutun. Sie speichert anonyme DNA-Spuren sowie die DNA erkennungsdienstlich behandelter Personen. Kommt eine DNA an verschiedenen Tatorten vor, können sich die Beamten der zuständigen Stellen austauschen. Oft ergeben sich daraus neue Ermittlungsansätze. Allerdings muss der Spurenleger nicht der Täter sein, es kann sich auch um eine unbeteiligte Person handeln. Ein gefälschter Überweisungsträger etwa geht durch mehrere Hände, bis er der Polizei übergeben wird. Sofern diese sogenannten Berechtigten bekannt sind, werden von ihnen mit ihrer Zustimmung Proben genommen, um sie von vornherein als Verdächtige auszuschließen.

DNA- und andere Spuren können seit einigen Jahren auch anonym gesichert werden. Die Möglichkeit besteht für Opfer sexueller Gewalt, die sich noch nicht zu einer Anzeige entschließen können. Das kann verschiedene Motive haben, häufig sind Scham und Angst. Wenn auf Wunsch der Geschädigten zu einem späteren Zeitpunkt ein Verfahren eröffnet wird, können die Beweismittel eingebracht werden.

Sind Fingerabdrücke und DNA die wichtigsten Spurenarten? Günther Berger dazu: „Beide haben den Vorteil, dass sie Individualbeweise sind und datentechnisch recherchiert werden können.“ Bei allem technischen Fortschritt sei es noch immer der genetische Fingerabdruck, der die KT am meisten vorangebracht habe. „Besonders, seit DNA aus kleinsten Hautschuppen gewonnen werden kann. Ein Mensch verliert davon bis zu vierzigtausend am Tag.“

Das Bundeskriminalamt unterhält eigene Forschungsstellen, um die Instrumente der KT stetig zu schärfen. „Ein Beispiel sind Schuhspuren,“ sagt Berger. „Es wird daran gearbeitet, Sohlenfragmente von unterschiedlichen Fundorten zusammenzuführen. Wenn der Abdruck komplett ist, kann ein Abgleich mit allen vollständigen Schuhabdrücken gefahren werden.“ Das BKA gibt Innovationen nach erfolgreichen Praxistests an die Dienststellen weiter. Wenig davon gelangt an die Öffentlichkeit, schließlich lesen auch Ganoven Zeitung.

Fortsetzung folgt morgen.

Admin - 10:20:16 @ Ortenau, Polizeimeldungen | Kommentar hinzufügen