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Beispiele für Eh da - Flächen

2020-05-29

Was der Blutspritzer über die Tatwaffe verrät

Teil 3: Spuren dürfen nicht vermischt werden

Berger holt eine Bakteriette hervor. Das ist ein langes Wattestäbchen, mit dem DNA-Material aufgenommen wird. Ein vergleichsweise einfaches Hilfsmittel? Berger lächelt: „Ein Hightech-Produkt.“ Die Wattestäbchen werden begast, um sie restlos von DNA zu säubern. Dann kommen sie in einen Transportköcher. Unter Vakuum werden Gasreste aus dem Röhrchen gezogen, damit sie später nicht die Spur vernichten. Durch eine Membran kann Feuchtigkeit entweichen, damit sich kein Schimmel bildet, der ebenso DNA löschen kann. Die Hersteller müssen Chargen zur Prüfung an das LKA schicken. Erst wenn die freigegeben sind, kann geliefert werden.

„Seit der Soko Parkplatz wurden die Hygienestandards massiv verschärft,“ sagt der Offenburger KT-Chef. 2007 wurde auf einem Heilbronner Parkplatz eine Polizistin erschossen. Am Tatort wurde die DNA einer unbekannten weiblichen Person gefunden, die in 40 weiteren Fällen aufgetaucht war. Das „Phantom von Heilbronn“ stellte sich, nachdem die Ermittlungen zwei Jahre lang festgesteckt hatten, als Mitarbeiterin einer Firma heraus, die die Bakte-rietten geliefert hatte. Aufgrund mangelnder Hygienevorkehrungen in der Verpackungsabteilung hatte sie ihre DNA auf den Wattestäbchen hinterlassen.

Bei Kapitalverbrechen wie dem „Kreiselmord“ (2018) werden für einzelne Spurenkomplexe Teams gebildet, die getrennt arbeiten. Je zwei Beamte hätten damals die Komplexe Leiche, Tatort und Täter bearbeitet, so Berger. Damit soll vermieden werden, dass sich Spuren vermischen. Spurenträger und Beweisstücke vom Tatort werden in verschiedenen Fahrzeugen in das Präsidium transportiert und dort getrennt gelagert. Es gibt je einen Raum für Opfer-, Täter- und Tatort-Asservate. Ein Lüftungssystem beseitigt unangenehme Gerüche. Feuchte Asservate werden in Klimaschränken getrocknet, um Pilzbefall vorzubeugen.

Was Trugspuren anrichten können, verdeutlicht folgendes Beispiel. Ein Kriminaltechniker sichert erst am Tatort und danach in der Wohnung eines Verdächtigen Spuren. Dabei gelangt unbeabsichtigt Opfer-DNA in die Wohnung und wird dort „gefunden“. Der Rückschluss, das Opfer sei in der Wohnung des Verdächtigen gewesen, wäre falsch.

Fortsetzung folgt morgen.

Admin - 18:08:27 @ Ortenau, Polizeimeldungen | Kommentar hinzufügen

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