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2020-05-31

Was der Blutspritzer über die Tatwaffe verrät

Teil 4: Neue Spur in PKW-Brandserie

Von Brandstiftung geht die Kripo bei rund vierzig PKW-Bränden seit zweieinhalb Jahren im Raum Lahr aus. Stets konnte eine Selbstentzündung ausgeschlossen werden, nur einmal wurde ein Brennmittel gefunden. Kurz vor Weihnachten 2019 melden Anwohner in Mahlberg erneut einen Fahrzeugbrand. Zwei Kriminaltechniker untersuchen am nächsten Morgen den Kleinwagen, der im vorderen Bereich ausgebrannt ist. Wieder fehlen Hinweise auf natürliche Brandursachen wie Kraftstoffentzündung durch Überspannung. Mehr scheint sich nicht zu ergeben.

Reste des linken Vorderreifens liegen vor und hinter der Felge. „Das Brandmittel wurde auf den Reifen gelegt und hat zuerst das Gummi entzündet. Von dort ist das Feuer in den Motorraum übergegangen.“ H., ein erfahrener KT-Mann, packt bereits zusammen, als Kollege B. mit einem Kuhfuß unter dem verschmorten Pneu stochert. Er fördert verklumpte Kaminanzünder zutage, die unter dem Gummi gegen den Löschstrahl geschützt waren. Teile der Ver-packung kleben daran. Mittlerweile sind die Beweismittel beim LKA untersucht worden. Zu den Ergebnissen kann sich Berger nicht äußern: „Ein laufendes Verfahren.“

2017 wurde in Lahr ein Geldautomat gesprengt und die Geldkassette erbeutet.  Wie in einem Actionfilm warfen die Täter auf der Flucht Krähenfüße aus dem Fahrzeug. Zwei Streifenwagen mussten mit geplatzten Reifen die Verfolgung aufgeben. Das Fluchtfahrzeug wurde in Lahr gefunden. DNA-Spuren darin führten bald zu vier Tatverdächtigen. Wichtigstes Glied in der Beweiskette waren jedoch Werkzeugspuren. Berger erinnert sich: „Das Schnittbild an den Spitzen der Krähenfüße stammte von einem Bolzenschneider, der bei einem Tatverdächtigen sichergestellt wurde.“ Die Diebe hatten die Krähenfüße selbst gefertigt.

Ein einzelnes Kopfhaar führt zum Täter

Eine Spurenart, die in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat, sind Textilfasern. Sie werden bei Kontakt wechselseitig übertragen. Ein Täter kann Fasern an der Opferkleidung zurücklassen und umgekehrt. Diese können als Gruppenbeweis dienen, beispielsweise kann gefolgert werden, dass der Täter eine hellgraue Baumwollhose trug. Je mehr unterschiedliche Fasern vorliegen, desto eher können sie einem bestimmten Kleidungsstück zugeordnet werden. Dabei sind auch Fasern hilfreich, die diesem anhaften und von anderen Textilien stammen, etwa von Kleidern, die im Schrank daneben hängen.

Faserspuren suchten die Ermittler auch im Mordfall Maria Ladenburger (2016). Zwischen dem mutmaßlichen Tatort und dem Fundort der Leiche wurde Gestrüpp von Büschen in Säcke verpackt und im Labor gesichtet. Entscheidender Fund war jedoch ein schwarzes Haar. Dass es zum Teil blond gefärbt war, schränkte den Kreis der Zielpersonen enorm ein. Einfarbig wäre es eine nachrangige Spur gewesen, denn sehr viele Menschen haben schwarze Haare. Auf Überwachungsvideos des Freiburger ÖNV wurde ein Mann mit zweifarbiger Frisur erkannt, der zur fraglichen Zeit in Richtung Tatort fuhr. Dieser Mann wurde später aufgegriffen. Seine DNA stimmte mit der des Haares und anderem Spurenmaterial überein.

Technik und Organisation der Spurenarbeit entwickeln sich stetig weiter. Sind die Strafverfolger dadurch im Vorteil, oder ziehen die Kriminellen nach? Das Tragen von Handschuhen, um Fingerabdrücke zu vermeiden, ist unter Kriminellen lange Standard und beeinflusst wiederum die Ermittlungspraxis. Berger: „Wenn bei Einbrüchen bereits im Einstiegsbereich Handschuhspuren gefunden werden, brauchen wir in der Wohnung nicht mehr nach Daktys zu suchen.“ Der Mörder der Nadja J. (2007) entsorgte nach der Tat Kleidung und Handy und ließ sein Auto innen gründlich reinigen. Gerade dadurch fiel er auf. „Mittlerweile tragen Täter vereinzelt sogar Overalls wie die Spurensicherer. Am meisten lernen sie aber vor Gericht. Da wird ihnen vorgeführt, was sie falsch gemacht haben,“ sagt Günther Berger.

Wirkt sich erfolgreiche Spurenarbeit spürbar auf die Fallzahlen aus? Das Präsidium Offenburg ist zuständig für Baden-Baden, Rastatt und Ortenau. Beispiel Wohnungseinbrüche: Deren Häufigkeit im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist zwischen 2016 und 2018 um 29 Prozent gesunken. Berger: „Die Tatortarbeit wurde intensiviert. Jeder Fall wird seitdem spurentechnisch bearbeitet. Wo sich Serien auftun, übernimmt jetzt eine eigene Ermittlungsgruppe. Der Zusammenhang ist einfach – wenn Straftäter einsitzen, können sie nichts anstellen. Oft beobachten wir, dass eine Serie beginnt, nachdem ein bestimmter Straftäter entlassen wurde.“

Manchmal gibt es eine Art Beifang. Zurück zum Fall Tipico. Fünf Tage zuvor stahlen Einbrecher im nahegelegenen Ritterhaus-Museum das Horn von einem Nashorn, ein Exponat. Zwischen beiden Fällen bestand kein Zusammenhang. Einer Angestellten waren drei Personen aufgefallen, die das Museum „inspiziert“ hatten. Nach den Angaben der Frau wurden von ihnen Phantombilder erstellt. Die Bilder erschienen auf der Titelseite einer Boulevardzeitung. Das Blatt war erst durch den Fall Tipico auf den Museums-Raub aufmerksam geworden. Günther Berger schmunzelt: „Am Flughafen München las ein Kollege die Zeitung und erkannte die Männer. Er ließ sie abfangen, just als sie ausreisen wollten.“

Admin - 12:51:11 @ Ortenau, Polizeimeldungen | Kommentar hinzufügen

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